Andalusien ist bekannt unter Pferdeliebhabern und -fotografen, ich würde fast schätzen dass es wohl die beliebteste Destination ist. Unzählige Workshops gibt es da, Reitställe, Fotoreisen, und und und. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen hatte ich es eigentlich nicht auf meiner Bucket List. Ganz allgemein war ich noch nie in Spanien und hatte es auch nicht vor. Wäre da nicht eine gewisse Martina gewesen, die ich zwar nicht kannte, aber die auf meiner Facebook-Seite immer wieder Kommentare hinterlassen und mich subtil aber unermüdlich gelockt hat. Irgendwann haben wir zu schreiben begonnen, über die andalusischen Jahreszeiten, wann es denn ganz rein theoretisch die beste Jahreszeit wäre. Noch stand alles in den Sternen und ich rechnete eigentlich nicht wirklich damit, dass ich es wirklich tun würde. Als ich aber letzten Dezember mein Studium abschloss und entschied, mir mindestens Januar und Februar mal freizunehmen für diverse Dinge, da dachte ich: jetzt oder nie. Es einfach mal wagen, Flug buchen, und auf mich zukommen lassen. Und weil ich doch nicht so ganz alleine in unbekannte Gebiete aufbrechen wollte, habe ich mir Hilfe geholt: Mit Helene hatte ich schon einige Male darüber gesprochen… Workshops in Andalusien? Fotoreise? Oder doch lieber nicht? Helene ist schon fast halb Spanierin, zumindest im Geiste – sie beherrscht die Sprache perfekt (ich null) und liebt die spanische Kultur heiss und innig, kennt sich aus, hat schon dort gelebt. Und so haben wir dann kurzerhand entschieden: Wir gehen nach Andalusien! Vorbereitung ziemlich gleich null, wir wollten es einfach ganz entspannt auf uns zukommen lassen. Durch die grossartige Unterstützung von Martina & Patrick war es auch nicht wirklich nötig, grosse Pläne zu schmieden und wir sind einfach mal losgezogen. Für mich ist das ganz ungewohnt, ich bin sonst, typisch schweizerisch, kein Freund von „spontan“ und „entspannt“. Ich lebe nach der Uhr (1 Minute ist Verspätung, indeed), habe immer Pläne und bin chronisch leicht gestresst. Helene hingegen kommt aus Bern, hats gerne gemütlich und empfindet alles über Tempo 80 auf der Autobahn als puren Stress 😉 In vieler Hinsicht sind wir denke ich grundverschieden, trotzdem oder gerade deswegen habe ich mich sehr auf diese Reise gefreut, denn ich weiss sehr wohl, dass mir ein bisschen runterfahren manchmal sehr gut tun würde. 😉 So sind wir also am 19. Februar losgezogen und haben uns am Flughafen Zürich getroffen (pikantes Detail: Sie mit nur Handgepäck. Ich mit Koffer plus Handgepäck (komplett voll mit Fotoausrüstung) plus Handtasche, ausgerüstet für jede (Wetter)Eventualität). Nach einem kurzweiligen Flug sind wir im berühmten Andalusien gelandet und haben uns auf die Suche nach unserem Auto gemacht. Nach einem kurzen aber vorhergesehenen weil obligaten Desaster bei der Autovermietung haben wir uns mit unserem nigelnagelneuen Fiatli (Helene: Ob ich mit so einem riesigen Auto fahren kann? Ich: Ich hoffe, das kleine Ding hält unseren Plänen stand…) auf den Weg gemacht. Dank Navi konnten wir die Fahrt durch die wunderschöne andalusische Landschaft entspannt geniessen und die Vorfreude auf Shootings in diesen weitläufigen Pinien- und Olivenbaumplantagen stieg. Wir legten einen kurzen Stop ein in einem typisch spanischen Dorfrestaurant, wo ich auch zum ersten Mal mit der spanischen Esskultur in Berührung kam: Ich platzte im Nachhinein fast nach einem (nicht ganz kleinen) Teller Paella (=Reis) zur Vorspeise und einem Teller Pommes Frites mit Fleisch als Hauptgang. Ich hatte definitiv das Gefühl, den Rest der Woche nichts mehr essen zu müssen, und nachdem uns der Restaurantbesitzer stolz seine 5 Wörter Deutsch präsentiert hatte (das Resultat von irgendwie 10 Jahren Deutschland-Aufenthalt) machten wir uns definitiv auf den Weg zu unserem ersten Ziel: Ronda!
Dank Navi fanden wir das Ganze völlig problemlos (wie hat man das früher gemacht??) und kamen schon bald an in dem wunderschönen Quartier, in dem Martina & Patrick seit etwa einem Jahr wohnten. Wir wurden wunderbar herzlich begrüsst, und nach einer kurzen Tour durchs Heim taten wir, was getan werden musste: Ab in den Stall! Für grosse Shootings wars zu spät, aber die Shootings wollen ja geplant werden. So standen wir also kurze Zeit später in einem wunderschönen andalusischen Stall, genau so wie zumindest ich es mir vorgestellt habe. Anbei ein paar Fotos von diesem ersten Abend:

 

Der Stall von oben:

 

Ein erstes Kennenlernen der Pferde:

 

Neben den Vierbeinern haben wir auch noch den Stallbesitzer Juan und alle „Chicas“ kennenlernen dürfen und haben auch sogleich die Chance gepackt um sie für ein Shooting am nächsten Tag zu motivieren. Das wäre grundsätzlich kein Problem gewesen – wenn wir nicht um 8 Uhr früh (wegen dem Licht, weisch) hätten shooten wollen. Sie erklärten uns dass sie zu dieser Zeit Kaffee trinken würden, und ausserdem müssten sie ja noch die Kleider suchen, und das würden sie unmöglich bis am nächsten Tag schaffen. Gut für uns, dass wir ja zwei Schweizer dort kannten! 😉 So haben wir beschlossen, am nächsten Tag mit dem Shooting von Martina & Patrick und ihren Pferden zu beginnen und machten uns auf den Heimweg, bzw. auf den Weg in die erste Tapas-Bar. Bereits der erste Abend war so, wie all die darauf folgenden Abende werden würden: Unglaublich lustig, interessant und unvergesslich. Was haben wir uns krummgelacht!!

Fotos vom Heimweg: Ronda im Abendlicht

 

 

Um 7 Uhr aufzustehen ist für mich quasi ausschlafen, für Helene.. nicht. Aber für Fotos nimmt auch sie das auf sich und so sind wir dann mehr oder weniger pünktlich (nachdem wir das Auto von irgendwas Frostähnlichem befreien mussten, imfall!! Und in Spanien haben die Autos keine Kratzer drin, ergo… Finger.) im Stall erschienen sind, ging es endlich los! Cowboy & Quarter Horse aka Patrick & Major machten den Anfang. Danach folgten Martina und ihre berühmte Bonita im Olivenhain – die Fotos dazu folgen in separaten Blogposts. Das Licht wurde relativ schnell steil und damit schwierig, doch jetzt langsam kamen die Spanier (oder die bereits angepassten Auswanderer) aus den Löchern und plötzlich standen x Leute parat zum Shooting. Licht ungünstig? Egal. Challenge für uns Fotografen, aber nun gut – daran kann man nur wachsen!

Um kurz vor 12 Uhr waren wir fertig und beschlossen, uns auf Nahrungssuche zu machen. Weil wir aber für spanische Verhältnisse noch recht früh dran waren (Mittag ist da erst um 14 Uhr), begaben wir uns auf eine Tour durch das wunderschöne Ronda. Weil ich bewusst nicht nur Pferde fotografieren wollte, sondern gerne auch ein bisschen Reportage, nahm ich auch da meine Kamera mit. Wunderschönstes Wetter spielte uns in die Hände, trotzdem war es nicht so warm wie man sich es vielleicht vorstellt. Winterjacke ahoi!

 

 

Bei einer unglaublich guten Pizza (ja, in Spanien) haben wir uns die (doch wieder) knurrenden Mägen gefüllt und machten uns danach wieder auf Richtung zu Hause. Ich war ganz wild darauf, schon die ersten Fotos zu bearbeiten, doch irgendwie war die Zeit wie im Fluge vergangen und so war es ohne ein einziges bearbeitetes Bild schon wieder Zeit für unseren nächsten Termin (ein bisschen Schweizer Kultur hab ich schon mitgebracht!): Das Shooting mit Udo & Margrit. Auch sie sind Auswanderer, zwar aus Deutschland, aber immerhin konnte diesmal auch ich mitreden! 😉 Martina & Patrick haben uns zuvor (während wir Fotografen uns von den Strapazen des Vormittags noch schnell erholt haben;)) einen wie von mir bestellten Olivenhain mit der wunderschönen roten Erde gesucht. So sind wie also zu sechst losgezogen für unser erstes Paarshooting – denn auch das wollten wir unbedingt machen. Wenn man schon mal so schöne Locations vor der Haustüre hat!! Bei ganz viel Spass und Udos lustigen Geschichten aus seinem Leben als Künstler, Schlagersänger und noch so einigem mehr haben wir bei absolut perfektem Licht dieses wunderbar spezielle Paar abgelichtet – immer dann, wenn wir Udo dazu überreden konnten, Sonnenbrille und Hut kurz abzulegen 😉 Auch diese Fotos gibt es wieder in einem separaten Post, hier ein paar Making-Of Bilder und zwei Fotos dieser atemberaubenden Landschaft. Auch wenns nicht so aussieht, da ist sehr wenig Photoshop dabei!!

 

 

Am Morgen des zweiten Tages hiess es zittern: Werden die Spanierinnen auftauchen, früh morgens um 8 Uhr? Yes, they did! Mehr oder weniger. Irgendwann zwischen 8 und 9 waren sie dann auf jeden Fall parat, eingekleidet in wunderschöner spanischer Tracht! Wir haben sowohl Morgen- als auch Abendstunden voll ausgenutzt für unzählige Shootings, die ich schon fast nicht mehr alle auf die Reihe kriege. Mittagessen gabs ausnahmsweise zu Hause, bei strahlend Sonnenschein im Garten – vegane Burger, nach Helenes Rezept, extrem gut!

Nach all diesen Shootings brauchten wir am dritten Tag eine kleine Pause (aka Zeit für Bildbearbeitung), und so verbrachten wir den Morgen zu Hause und wühlten uns durch die Bildmassen (ich habe immer etwa doppelt soviel gemacht wie Helene, warum auch immer..).

Links: Mein Kabelsalat. Rechts: Gemütliches Bearbeiten mit der kleinen Version der andalusischen Wasserflaschen.

 

 

Am Abend hatten wir ein weiteres Shooting geplant: Ein Paarshooting mit Martina & Patrick. Die Location dafür war atemberaubend: Drei Stauseen, angeordnet wie ein Mercedes-Stern, und wir auf den Hügeln dazwischen mit Ausblick über die drei Seen. Das Ganze war mal wieder eine etwas spontane Idee, und so sind wir unter ziemlichem Zeitdruck durch Andalusien gefahren, in der Hoffnung dass die Sonne noch nicht ganz untergeht. Wir hatten Glück und das Licht war absolut traumhaft! Wir haben fotografiert bis es gar nicht mehr ging (hallo Rausch-Bilder) und es war einfach nur cool! Hier ein paar Eindrücke von der absolut atemberaubenden Landschaft:

 

 

Was für eine Location! Sowas hätte ich auch gerne vor der Haustüre. Aber nun gut, man hätte ja immer gerne das, was man nicht hat, right?

Gemäss unserem Plan, wenn man das so nennen will, wollten wir eigentlich schon an diesem Tag weiterziehen, aber … wir haben dann noch einen Tag angehängt, weils einfach zu schön war 😉 Am Freitag haben wir dann aber gegen Nachmittag definitiv unsere Koffer (bzw. unser Handgepäck) gepackt und sind weiter Richtung Westen. Unser Ziel: Conil de la Frontera. Helene kannte dort von früher noch ein paar Stallbesitzer, und wir wollten auch dort unser Glück versuchen.

Organisiert wie ich bin habe ich uns noch in Ronda im Internet schnell ein Hotel rausgesucht (weil einfach losfahren und hoffen man findet was.. das ist nicht meins ;)) und dadurch einen kleinen Jackpot gelandet: Direkt am Atlantik, mit Meerblick vom Zimmer aus – für etwa 20 Euro p.P. Die Fahrt war wunderschön, und kaum sind wir angekommen sind wir noch im Dunkeln schnell an den Strand und haben uns danach wiedermal auf Nahrungssuche gemacht. Das tut der von der schweizerischen Kälte gequälten Seele gut!

Am nächsten Tag sind wir auf Locationsuche gegangen, denn eigentlich wollten wir versuchen, auch hier nochmal ein Paar zu finden, das wir fotografieren konnten. Das hat dann leider nicht geklappt, aber die Strände und Pinienwälder, die wir gefunden haben, waren echt ein Erlebnis! Wunderwunderschön.

 

 

Am Nachmittag ging es auf zu einem neuen Stall. Wir wussten nicht, was uns erwartet, aber es war einfach nur wunderbar! Der Stall an sich, aber auch die Leute, die sich wirklich alle Mühe gaben. Vorab mal nur soviel, die Fotos folgen dann später:

 

 

Unsere Reise ging damit langsam zu Ende, denn am nächsten Tag sind wir wieder aufgebrochen Richtung Malaga, wo wir noch einen wunderschönen Abend verbracht haben. Malaga ist echt eine Reise wert! Lange konnten wir leider nicht bleiben, die kalte Schweiz wollte uns zurück. Aber wir wollen uns nicht beklagen, denn in der Woche danach hat es in Andalusien geregnet wie schon lange nicht mehr!

So ging also eine wunderbare und unvergessliche Woche zu Ende. Was bleibt, sind 6000 Fotos und ganz viele Erinnerungen. Herzlichen Dank an all diejenigen, die das möglich gemacht haben: Helene, Martina und Patrick, all unsere Models und Helfern, aber auch meinen zwei lieben Amalia-Hüterinnen zu Hause. Auf eine baldige Wiederholung!


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